milchstraße 3
das zusammenleben mit einem tier verändert nichts und gleichzeitig alles. während das tier ein fixpunkt ist, passen sich die eigenen gewohnheiten über die jahre hinweg unweigerlich diesem fixpunkt an. aber auch der fixpunkt verändert sich über die jahre. irgendwann geht es nicht mehr um die großen sprünge. wenn ein körper nach 20 jahren seine kraft verliert, dann ist das kein plötzlicher abbruch, sondern ein langes, leises nachlassen. es sind die kleinen dinge. die fensterbank, die plötzlich unerreichbar scheint, der napf, der zu voll ist. ein blick, der die welt zunehmend loslässt.
der schwerste teil dieser verbindung ist die verantwortung zu wissen, wann das gewicht des tages schwerer wiegt als die lichten momente. an jenem tag im august, gab dein körper nach.was blieb, war die stille, und die zeit, die augenblicklich wich. für einen moment, schien alles aufzuhören, während wir unseren letzten atemzug miteinander teilten – bis zu dem weg, den du in diesem augenblick alleine antratest.
mir blieb der blick in den nachthimmel, um dich zu begleiten, wie du dorthin zurückkehrst, aus was wir alle entstanden sind: zu sternenstaub. was könnte tröstlicher sein, als dich dort oben als meinen stern zu wissen, der nun mich begleitet.