milchstraße 2

betrachtet man das leuchten der milchstraße nicht von der erde aus, sondern aus der dynamik des lichts heraus, verliert der begriff der verstreichenden zeit seine gültigkeit.

für ein photon, das sich mit lichtgeschwindigkeit durch den raum bewegt, schrumpft jegliche distanz im raumzeitgefüge aufgrund der zeitdilatation auf null. es kennt kein altern, keine trennung und kein warten. in einem derartigen zeitlosen bezugssystem existiert keine vergangenheit, sondern ausschließlich eine unvergängliche gegenwart. die zeitliche dehnung und der gleichzeitige verlust von dir, cleo, gehören meinem irdischen denken an.

zeitgleich lehrt die physik, dass keine information jemals spurlos aus dem universum getilgt werden kann. egal welchem wandel ein system durch die entropie auch unterliegt, egal wie sehr sich ihre physische materie zerstreut, die kausalitätskette des kosmos vergisst nichts. dein gewesensein, cleo, war kein flüchtiger augenblick, sondern eine unauslöschliche gegenwart im raumzeitgefüge. es bleibt als eine notwendigkeit im gefüge der welt verwebt, ohne dass es sich auf alles folgende auswirkt.

die milchstraße steht nicht stumm und still am firmament, sie fließt samt ihrer milliarden sternen in einem gewaltigen strom durchs all. sie ist angetrieben von der unsichtbaren krümmung der raumzeit. so bist du kein eingefrorenes denkmal am firmament, cleo, sondern teil dieses ununterbrochenen, dynamischen prozesses.