der platz, den die traurigkeit einnimmt

wenn jemand stirbt, wird der raum nicht leer. er wird sofort von einer anderen substanz ausgefüllt – der traurigkeit.
sie macht sich wie ein ungebetener gast im wohnzimmer des lebens breit. sie besetzt die stühle, steht im weg und lässt die welt ein paar grade kälter und dunkler erscheinen.

mit der zeit wandert der gast. er verlässt die offensichtlichen räume und zieht sich in ein stilles zimmer im hinterkopf des hinterbliebenen zurück. dort wird die traurigkeit zu einem stummen bewahrer all dessen, was in der welt keinen platz mehr hat. zu einer zweiten wirklichkeit, die neben der alltäglichen betriebsamkeit weiterexistiert.

der versuch das ich weiter als einheitlich zu betrachten misslingt. das ich ist durch die traurigkeit fortan in ein davor und ein danach gespalten. wer trauert, bewohnt immer zwei welten gleichzeitig.
und dieser riss muss nicht geheilt werden, sondern wird zum neuen grundriss des daseins. und in diesem dasein wirst du immer deinen platz behalten, cleo.