fremdkörper - wie wir gedacht werden
das gehirn ist eines der privatesten räume des menschen. was passiert also, wenn dieser raum kompromittiert wird? wenn plötzlich gedanken auftauchen, die nicht die eigenen sind und von jemand anderem dort platziert wurden? dieses phänomen wirft eine fundamentale frage auf: wo endet das ich und wo beginnt die äußere instanz?
wir glauben zu denken, aber vielleicht werden wir gedacht. wir leben in einer welt, die von algorithmen, beeinflussungen und unendlich vielen reizen geprägt ist, in einer welt, in der die linie zwischen eigenen impulsen und fremdsteuerung schwindet.
dass äußere instanzen unsere gedanken lenken, ist längst keine dystopie mehr, sondern eine psychologische und gesellschaftliche realität, der wir uns täglich aufs neue stellen müssen.
das besorgniserregende an dieser modernen form der fremdsteuerung ist jedoch ihre lautlosigkeit. sie bricht nicht über uns hinein, sondern sie sickert. sie kommt nicht als lauter befehl, dem man sich widersetzen könnte, an uns heran. sondern als eine art hintergrundrauschen, das sich in jeden haarriss einarbeitet. das perfide – im vergleich zum klassischen stimmenhören – liegt hier in der tonalität. der gedanke nistet sich zwar als spürbarer fremdkörper ein, entzieht sich jedoch den klassischen kriterien des stimmenhörens.
so drängt sich unweigerlich die nächste frage auf: wer sind eigentlich diese instanzen, die den anspruch erheben, unseren inneren raum verwalten zu dürfen?
[dies darf jeder betroffene für sich selbst beantworten!]