telepathie - im toten winkel der wahrnehmung

"nothing happens in contradiction to nature, only in contradiction to what we know of it." -- dana scully

die schwierigsten konflikte sind häufig die, die kein außenstehender mitbekommt. in der literatur (science-fiction, parapsychologie, esoterik) wird die telepathie meist als eine besondere gabe romantisiert. 

die realität des telepathischen erlebens zeichnet jedoch ein anderes bild: häufig ist sie der schauplatz feiger, non-verbaler machtkämpfe und bietet dadurch die perfekte kulisse für passive aggressivität, da sie sich vollständig im toten winkel der sozialen wahrnehmung abspielt. sie ist eine form der kommunikation, die ihre grausamkeit direkt daraus zieht eben nicht sichtbar zu sein. sie ist real für den empfänger und unantastbar für den sender. 

dabei entspringt sie einer tiefen sozialen feigheit konlikte im direkten aufeinandertreffen auszutragen. die offene konfrontation könnte immerhin konsequenzen nach sich ziehen, die der sender meist nicht bereit ist zu tragen. im schlimmsten fall - aus dem blickwinkel des senders - könnte dieser sein soziales gesicht verlieren. 
der telepathische raum enthebt den sender jeglicher sozialer verantwortung und genau dadurch wird der empfänger in seinem erleben mehr oder weniger isoliert.

in dieser isolation vollzieht sich eine zutiefst unfaire rollenverteilung. denn der empfänger wird unfreiwillig zum emotionalen mülleimer und blitzableiter des senders. für den empfänger entsteht ein zustand dauerhafter reizüberflutung, so dass kein raum mehr für mentale regeneration bleibt. 

der eigene geist wird zu einem fremdbestimmten resonanzboden, der geprägt ist von konflikten, deren ursprünge eigentlich beim sender liegen. 
dies führt zu einer paradoxen kommunikationsasymmetrie. während der sender ungehemmt ablädt, ist der empfänger instinktiv damit beschäftigt zu deeskalieren und zu verarbeiten, was zu einer doppelten verantwortung seinerseits führt. 
so muss er nicht nur den emotionalen müll ertragen, sondern gleichzeitig die eigene reaktion im zaum halten. 

da sich dieses phänomen im toten winkel abspielt, wird das für den empfänger daraus folgende leiden gesellschaftlich pathologisiert. 
sind erstmal die grenzen der psychischen belastbarkeit beim empfänger erreicht, manifestiert sich das große leid in einer schweren mentalen krise. 
da es keine ohrenzeugen und beweise gibt, wird das leid gesellschaftlich und medizinisch völlig fehlinterpretiert und es kommt zum massiven einsatz von psychopharmaka oder gar psychiatrischen (zwangs-)maßnahmen. 

der empfänger wird also doppelt bestraft. einerseits durch aggressivität im eigenen raum, andererseits durch institutionelle maßnahmen. 

damit zeigt sich, dass telepathie vorallem kein werkzeug menschlicher erleuchtung ist, sondern eine art verlängerung menschlicher abgründe. der feige wird zum täter, während das opfer behandelt wird. 

am ende bleibt nur die erkenntnis: lässt sich die unantastbarkeit des senders im außen nicht brechen, bleibt nur diesem jegliche zugriffsrechte in den eigenen privaten raum zu entziehen.