alterität 4
ich versuche dich und unsere verbindung in worte und formeln zu packen und trotzdem scheint nichts davon nur annähernd das zu beschreiben, was ich auszudrücken versuche. vielleicht warst du einfach nie eine variable, sondern der raum selbst.
wir neigen dazu alles in maßeinheiten festzuhalten. zwanzig umdrehungen der erde um die sonne markieren auf dem papier unsere gemeinsame zeit. dabei besteht die realität aus einer endlosen aneinanderreihung von mikromomenten. sei es das unaufdringliche gewicht deiner anwesenheit oder der rhythmus deiner atmung, der als verlässlicher taktgeber im hintergrund lief.
wie kann ich dich greifen, jetzt, wo du nicht mehr greifbar bist?
vielleicht dadurch, dass ich begreife, wie radikal anders deine wahrnehmung immer war?
wir teilten uns denselben raum und blieben uns doch in unseren wahrnehmungssphären auf eine faszinierende weise fremd. du hast die welt auf eine weise gelesen, die für mich unsichtbar blieb. du hast mich nie durch das raster menschlicher deutung gemessen. du warst einfach da – eine absolute instanz außerhalb meiner menschlichen logik. es ist ein unermessliches geschenk, dass wir uns auf diesem schmalen grat zwischen tiefer nähe und artbedingter fremdheit so lange berühren konnten.
ich frage mich unweigerlich, ob von all dem auch etwas in dir geblieben ist. ob etwas von mir in deiner völlig anderen welt auch eine spur hinterlassen hat.
die lücke, die du hinterlässt, ist in wirklichkeit vielmehr ein raum, der für immer von dir vermessen wurde. er braucht kein gegenüber mehr, um zu existieren, weil er tief in der architektur meines lebens verankert ist.