der tod - was er wirklich ist?

wer die frage stellt, was der tod wirklich ist, muss als erstes den zeugen eliminieren, der diese frage stellt. denn fast alles, was wir über den tod zu wissen glauben, ist das ergebnis von projektionen eines zutiefst verängstigten egos. es erscheint für unseren verstand unmöglich ein konzept zu begreifen und zu verstehen, das ihn selbst nicht beinhaltet.

wir behandeln leben und tod wie licht und schatten, wie feinde zwischen denen krieg herrscht. dabei ist der tod nicht das gegenteil von leben, sondern seine bedingung. er ist eben kein ereignis, das am ende einer langen reise auf uns wartet, sondern ein fortlaufender prozess im hier und jetzt. in jedem moment sterben zellen von uns, in jeder sekunde vergehen gedanken, atmen wir ein, atmen wir aus, um platz für neues zu schaffen.

wie ist es möglich, dass wir uns an eine starre existenz klammern, wenn wir doch in jeder sekunde ein stückchen sterben?

das ego scheint ein konstrukt aus erinnerungen und projektionen und der tod, im kern begriffen, ist das permanente kollabieren dieses konstrukts.

es ist also nicht das sein, das am ende ganz gestorben ist, sondern die gewohnheit sich selbst als eine abgetrennte insel vom festland zu definieren.

man könnte den tod auch als die absolute abwesenheit von relation definieren.

unser ganzes leben besteht im grunde ausschließlich durch bezugspunkte. leben ist permanentes vergleichen, abgrenzen und in-beziehung-setzen. die erde ist nass, weil es geregnet hat – ein gedanke existiert nur im bezug auf den vorherigen.

nur der tod hat keinen bezugspunkt, denn er ist nicht hinter dem leben oder neben dem leben, er ist nicht schwarz oder still, denn ohne beobachter gibt es niemanden, der sie ins verhältnis setzen kann.

manche philosophen diskutieren den tod als eine art kollaps aller dimensionen. der tod als ende von raum und zeit. und wo es keinen räumlichen oder zeitlichen abstand zwischen zwei dingen gibt, gibt es auch keine trennung. ebenso aber auch kein ich mehr, das etwas erfahren könnte. er scheint kein ort und kein zustand zu sein, nur absolut, denn er duldet nichts neben sich.

denkt man diese gedanken konsequent weiter, wird der tod schließlich zum ende der distanz zum leben. denn solange es ein ich gibt, sind wir gezwungen das universum aus der distanz zu betrachten. wir sind abgetrennte zuschauer durch die dimensionen zeit und raum. im moment des todes schrumpft die distanz zwischen betrachter und betrachtetem auf null zusammen. das ich stirbt, weil es zu nah an die wirklichkeit herantritt. es entblößt sich die nackte realität, denn die filter des alltags haben keinen platz mehr.

das ego hat angst vor dem tod, weil es auf das ende von abständen trifft, dabei ist genau dieses ende der abstände die ultimative nähe zu allem