du, königin
wenn du erstmal dein selbstbewusstsein zusammengesucht hattest, dann warst du nicht einfach nur eine katze. du warst ein wesen, dass den raum einnahm. eine präsenz, eine souveräne mitbewohnerin, nicht ein untergeordnetes, passives accessoire.
du stelltest deine eigene verfassung über alles.
eine katze lässt sich nicht domestizieren, man kann nur einen pakt mit ihr schließen und an diesen pakt hieltest du dich auf deine ureigene weise: stolz, eigenwillig und mit einem unerschütterlichen charakter.
du warst nie eine katze, die sich rein als projektionsfläche für bedinungslose harmonie zur verfügung stellte. du hattest kanten, du hattest grenzen und diese wusstest du mit deiner präzisen klarheit zu verteidigen. du warst eine monarchin in kleinformat und das wachen über deine bedinungen war unverfälschter natur.
während menschliche beziehungen immer an bewusste und unbewusste erwartungen und anpassungen geknüpft sind, lag in unserer beziehung eine seltene ehrlichkeit. du hast dich nicht angepasst.
wenn du dich anlehntest, dann weil der augenblick es verlangte. und wenn du gingst, dann weil dein wille dich trug.
das altern hat dich nicht gebrochen, auch wenn es dich zähmte. doch am ende trugst du die last der jahre mit der selben stoischen würde, mit der du einst durch die räume streuntest.
du hast nicht abgedankt. du hinterlässt ein reich, das für immer von deiner haltung zeugt.