folge dem gps

das gps nimmt uns zwar in erster linie die orientierungslosigkeit, aber im gleichen zug auch die aufmerksamkeit. wir schauen nicht mehr nach links auf die eiche oder rechts auf den spielplatz, wenn die ansage „in 100 m links abbiegen“ lautet. der blick heftet sich an ein display und eine abfolge von befehlen, während die umgebung im hintergrund mehr und mehr als eine einzige einheit verschmilzt. man verlernt die wahrnehmung des unvorhergesehenen, während die navigation sicherheit verspricht. jeder abweichung wird als fehler und zeitverlust verbucht.
es ist ein spiegelbild unserer realität, in fast jeder lebenslage optimierte algorithmen zu erwarten. effiziente problemlösung soll uns vor der zumutung bewahren, uns im unbekannten zu verirren. es scheint, als wolle der moderne mensch ankommen, ohne überhaupt je unterwegs gewesen zu sein.
eine katze braucht weder ein display noch ein künstliches koordinatensystem. ihr gps ist tief in ihrer genetischen grundausstattung verwurzelt. es handelt sich um einen kleinen, inneren kompass, der den weg durch die stunden, über die mauern und die stille der räume weist. sie folgt einfach den unsichtbaren linien dieser welt.
und irgendwann folgte sie ihnen weiter, als mein blick reichte. die vertrauten stellen im raum blieben zurück – die mauern, die stille, der platz am fenster. was bleibt, ist die richtung, in die sie unterwegs war.
wende ich meinen blick zu diesen orten im raum, begreife ich, dass dieses natürliche gps auch dann nicht erlicht, wenn der physische körper nachgibt. vielleicht ist das vielmehr der punkt, an dem die eigene innere ausrichtung stattfindet. irgendwann selbst dem natürlichen, inneren kompass zu folgen – dorthin, wo ihr weg im tod weiterging und wo die weite nun kein fremdes vakuum mehr ist, sondern die verlängerung ihres unsichtbaren pfades, den sie ein leben lang vorgelebt hat.