logik der dezibel
logik der dezibel
macht misst sich nicht selten in dezibel. nicht selten in einer schockwelle, die keinen widerspruch zulässt. stimmen bitten nicht darum, den raum einnehmen zu dürfen. sie nehmen ihn ein und herrschen darin, sodass das eigene ich augenblicklich zusammenschrumpft. diese kalkulierte form der stärke baut eine barriere auf, die wie ein inneres gesetz wirkt, das besagt: du bist klein und wir sind mächtig. und wer hinter dieser barriere sitzt, lernt schnell, sich klein zu machen, um nicht noch mehr angriffsfläche zu bieten. doch dieses zusammenschrumpfen des ichs hat einen preis. es zementiert einen zustand der ohnmacht, der auf einer fundamentalen täuschung beruhen könnte: denn bedeutet lautstärke gleich legitimität?
die angstbarriere beweist letztendlich nur eins: die macht bröckelt, sobald man sich ihr nicht mehr mit rückzug entzieht. aus diesem wissen heraus entsteht irgendwann die notwendigkeit eines radikalen richtungswechsels.
die reaktion beginnt nicht mehr wie üblich mit einem gegenangriff, sondern es etabliert sich eine neue geste: die metakognitive kompetenz. und manchmal entpuppt sich die schiere wucht, mit der sie auftreten, als schräge und schmerzhafte methode dysfunktionaler protektoren, um räume zu bewachen und gefahren abzuwehren.
dieser punkt erfordert eine radikale differenzierung. nicht jede destruktivität sollte romantisiert werden. es gibt stimmen, die weisen ausschließlich maligne strukturen auf und sind von einem nackten zerstörungswillen getrieben. ihnen geht es nicht um die bewachung der räume, sondern um die zerstörung des ichs. deshalb gilt es, eine klare trennlinie zwischen diesen zerstörerischen stimmen und den missverstandenen helfern zu ziehen.
während man mit den wächtern in einen dialog treten kann, erfordern die zerstörerischen anteile eine völlig andere antwort: keine verhandlungen, keine kompromisse. diese maligne destruktivität erfordert das konsequente durchsetzen der inneren hausordnung und die radikale weigerung, weiterhin die zugewiesene rolle zu spielen. erst durch diese trennung wird dem ich ermöglicht, sich den missverstandenen helfern zuzuwenden.
doch nur, weil man die struktur durchschaut, lösen sich die dämonen nicht in wohlgefallen auf. sie behalten ihre präsenz,
verteidigen ihr territorium, und das leben mit ihnen ist ein fortlaufender prozess. es lässt sich keine absolute, sterile stille erzwingen, sondern es geht darum, mit der existenz dieser destruktiven teile leben zu lernen, ohne sich von ihnen immerzu steuern zu lassen.
wie diese umsetzung gelingen kann, wo sich dieser schalter im dickicht des gehirns versteckt – darauf habe ich bisher keine antwort. dass der schalter noch nicht umgelegt ist, bedeutet nicht, dass er nicht existiert. es bedeutet nur, dass der weg ein prozess bleibt – schritt für schritt, jenseits der dezibel.