stille 2

das vokabular für meinen zustand ist schmal, weil die sprache darauf ausgelegt ist, anwesendes zu benennen. aber deine abwesenheit steht im raum wie eine ungeklärte sache. und eine ungeklärte sache verlangt normalerweise danach bearbeitet zu werden und einen abschluss zu finden. doch hier fehlt das material, an dem man arbeiten könnte. ich stehe vor einer faktizität, die keine begründung nachliefert und keine revision erlaubt.

es ist die hartnäckige präsenz deines fehlens, die den gewohnten ablauf unterläuft. du, cleo, nimmst keinen platz ein und dennoch die fläche. und ich kann an einer lücke nicht vorbeisehen, wenn sie sich im zentrum des blickfelds befindet.
und so wird das schweigen nicht leiser, sondern deutlicher. es setzt sich fest als eine struktur, denn die zeit sieht schlicht keinen ort vor, der nicht von diesem fehlen berührt ist.

ich bin geneigt dem verstummen einen sinn abringen zu wollen, ich suche nach einer möglichkeit den verlust in ein narratives gefüge einzubauen. doch das warten auf eine bedeutung erscheint mir gerade selbst wie eine täuschung. eine lücke verweist auf nichts weiter als das, was vorher dort war. sie ist kein symbol, sondern schlicht eine abwesenheit.

der alltag verlangt nach den selben verrichtungen wie zuvor. ich gehe durch die zimmer und hebe an bestimmten stellen meine füße, wo auch früher diese bewegung notwendig war. diese automatik lässt sich nicht einfach verlernen. diese körpersprache überdauert den verstand.
vielleicht besteht die einzige form der bewältigung darin, diese lücke nicht neu füllen zu wollen? denn ersetzen ist eine kategorie der mechanik und nicht des daseins. es setzt voraus, dass eine aussparung lediglich eine funktionale lücke ist, die durch ein beliebiges objekt besetzt werden kann, um die symmetrie wieder herzustellen. aber dein fehlen ist spezifisch. es hat deine genaue form, deine frequenz, deine absolute eigenheit. es ist nicht überschreibbar, weil es kein allgemeines vakuum ist, sondern deine abwesenheit.

das bestehen auf diese unersetzbarkeit ist keine weigerung weiterzugehen. es ist vielmehr die anerkennung, dass du einmalig und unersetzbar bist und deine auslöschung endgültig bleibt. ein versuch, diese leere zu überdecken oder auszutauschen, wäre eine verfälschung der tatsachen, eine verstellung des blickfelds.
so bleibt deine geometrie bestehen. ich richte mich nicht ohne dich ein, sondern mit dem befund deines fehlens. die statik dieses hauses hat sich dauerhaft verschoben und der raum behält diese neue ausrichtung. er verlangt keinen ersatz, sondern das schlichte aushalten der tatsache, dass etwas fehlt und fehlen wird.