stille
der schock der ersten tage lehrt den verstand die harten fakten: ein datum, ein letzter atemzug, die leeren stellen im raum. aber das ist nicht dort, wo die bindung verankert war.
die letzten 2 ½ wochen waren ein einziges, exzessives abtragen der wunde. eine immense trauerarbeit, in der ich pausenlos um mein leben schrieb. nicht, um den schmerz schnell hinter mir zu lassen, sondern um die dröhnende leere und unerträgliche stille, die du, cleo, hinterlassen hast, überhaupt auszuhalten.
gerade wenn mein innenleben wieder extrem ins wanken gerät, nicht mehr weiß, wo oben und unten ist, kein vertrauen in niemanden mehr hat – trifft die realität das nervensystem mit voller wucht. in diesen momenten griff für zwei jahrzehnte ein blinder reflex, der keine worte brauchte.
du hättest nichts erklärt, analysiert oder gar bewertet. du wärst nicht an der komplexität meiner inneren verwirrung gescheitert, sondern hättest dich einfach nur dazugelegt. deine physische anwesenheit war eine schlichte, unangreifbare behauptung von geborgenheit.
und wenn dann plötzlich der moment kommt, in dem man diese geborgenheit am dringendsten braucht, wird ihre abwesenheit zu einer aktiven, schneidenden erschütterung mitten in der eigenen hilflosigkeit. nun bleibt in der überforderung nur der greifbare phantomschmerz einer wärme, die in genau diesem moment fehlt.
ich wünschte mir zuletzt vor allem eine lange, gemeinsame zukunft. dass wir zusammen alt werden dürften. und zusammen gehen könnten. aber gerade empfinde ich eine unerträglich erschöpfende sehnsucht, einfach bei dir zu sein, cleo. weil dann der kampf gegen den eigenen verstand, der kampf darum, gesehen zu werden, der kampf darum, verstanden zu werden, der kampf um ruhe endlich ein ende finden würde.
du hast mich nie gefragt, wer ich bin. du musstest meine wirrungen nicht zerlegen oder bewerten, sondern hast mich einfach gesehen. nun bleibt nur die schmerzhafte gewissheit, wie seltsam fremd diese welt ohne deine stille zeugenschaft geworden ist.
ich wünschte mir gerade eigentlich nur ein einziges: dass du hier wärst. dass ich mich ins bett legen könnte, du dich wie gewöhnlich in meinen arm legen würdest und wir einfach ruhe finden könnten in der dunkelheit der nacht.