"manifest für gefährten"

deine abwesenheit ist eine physische und mentale konstante. doch während du im außen erloschen bist, spüre ich deine wirkkraft tief in meinem inneren. du wirkst über deinen tod hinaus als eine art eingeschriebene form des seins.

du hast meine zeit strukturiert. deine routinen haben meinem tag ihren rahmen gegeben. sei es das nächtliche mahl, der morgendliche wunsch nach dem balkon, tagsüber meine begleitung und unsere abendliche schmuserunde. nun bist du gestorben, aber dein rhythmus bleibt als resonanz in meinem gedächtnis zurück.

die philosophin donna haraway unterscheidet in ihrem „manifest für gefährten“ (2003) zwischen dem bloßen nutzen eines tieres und dem gemeinsamen werden. du und ich haben uns gegenseitig geformt. der respekt und die akzeptanz gegenüber einer radikal anderen form des bewusstseins prägen die eigene wahrnehmung. diese wahrnehmung verflüchtigt sich nicht mit dem stillstand deines herzens.

meine erinnerungen an dich sind ein lebendiger raum, der an keine biologische dauer geknüpft ist. denn die dauer eines lebens wird letztendlich an der tiefe seiner spuren gemessen...