alterität 5

vielleicht ist das andauernde schreiben gegen den schmerz längst keine erinnerung mehr, sondern eine fortgesetzte berührung mit worten, weil die hände leer bleiben. und vielleicht findet die wahre metamorphose genau jetzt erst statt, wo du als lebewesen aus herzschlag und atem in eine kategorie des seins gewechselt bist, in der du vollständig in die sprache meiner eigenen gedanken übergehst.

ich verstehe zunehmend, dass trauer nicht linear verläuft, sondern ein labyrinth aus wiederkehrenden anfängen ist. wir haben nichts mehr zu klären, das ungesagte ist längst zum fundament geworden, wenn die luft unter unseren füßen uns nicht trägt.

am ende kreist in mir immer die frage, ob wir uns irgendwann wiederbegegnen. nicht durch das sehen mit den augen oder das greifen mit den händen. sondern auf einer andere weise, die für mich in dieser welt noch unbegreifbar ist.

und auch, wenn du vielleicht nicht mehr ein ort bist, den ich verloren habe, so bist du vielleicht der grund, warum ich weiterlaufe – getragen von all den zeilen, in denen ich dich festhalte.

du fehlst mir in jedem beliebigen augenblick, in jedem moment des gewahrwerdens deiner abwesenheit.