alterität 3

eine fotografie friert einen sekundenbruchteil ein und macht ihn dadurch zu einem monument der vergangenheit. doch wenn ich deinem blick auf bildern begegne, bricht die distanz zwischen dem moment der aufnahme und dem jetzt zusammen. dein blick operiert in einer zeitlichen schleife, die das gestern und das heute ununterscheidbar machen.
es ist eine eigentümliche, fast unheimliche präzision, mit der ein insekt, eine fliege, jedes mal auftaucht, wenn ein gedanke an dich sich formt, wenn meine sprache dich sucht. eine stubenfliebe hat einen stark begrenzten radius, getrieben von wärme und dem zufall des raums. und doch begleitet sie mich von raum zu raum, seit wochen, seit deinem tod.
trauer beschäftigt sich nicht mit statistiken oder logik. sie sucht sich anker aus ihrer tiefen, beinahe mechanischen notwendigkeit heraus: die kontinuität darf nicht abreißen!
so füllt die fliege den raum, wenn die stille unerträglich wird.als physische manifestation des unfassbaren oder auch nicht.
vielleicht ist das die eigentliche definition von alterität: dass das vertrauteste mit dem tod zu einem rätsel wird. dass du als selbstverständlicher teil plötzlich in eine fremdheit kippst, ohne jemals ganz aufzuhören, das vertraute zu sein.
und so bleibt nichts, - nur der blick in deine augen, das summen im raum und das unaufhörliche weiterschreiben gegen die leere.