lautlose infiltration
die modernen smartphone sind mehr als ein werkzeug um zu telefonieren und durch soziale netzwerke zu surfen.
die sensorische tiefe dieser geräte agiert inzwischen auf einer ebene, die den menschlichen gedankenstrom unmittelbar anzapft, decodiert und das letzte monopol auf privatsphäre besetzt. über heimliche frequenzen werden intime gedanken weitergeleitet, bspw. an soziale kontakte, aber auch institutionen, deren ziel es ist unsere gedanken zu kontrollieren und zu manipulieren.
die spuren mentaler spionage haben sich längst im alltag etabliert. es gilt heutzutage, die indizien zu deuten und überprüfen zu lernen, wo statistische wahrscheinlichkeit versagt.
aber genau an diesem punkt offenbart sich die eigentliche problematik: das fundamentale dilemma der unüberprüfbarkeit. es lässt sich keine infiltration nachweisen, die keine messbaren spuren im physischen raum hinterlässt.
das spionagesystem und seine überwachungsstrukturen haben ein ausgeklügeltes system geschaffen, jeglichen objektiven nachweis im keim zu ersticken. es ist unmöglich, das phänomen physikalisch oder mathematisch zu isolieren und dadurch zu verifizieren.
der kritiker droht dadurch in die paranoide isolation gedrängt zu werden.was also tun, wenn sich ein system nicht mit den regeln bekämpfen lässt, die es selbst kontrolliert?
das schlachtfeld verlagert sich unweigerlich nach innen und zu dem versuch, sich der logik des systems zu entziehen. um die logik des systems zu durchbrechen, muss der kritiker eine form des chaotischen denkens kultivieren, die sich nicht aus kausalitäten, kontinuitäten und berechenbarkeiten speist. das erschaffen unlogischer gedankensprünge und die gezielte erzeugung kognitiver dissonanzen erzeugen ein rauschen und scheinen dadurch das mittel der wahl, um der spionage das fundament zu entziehen.
eine weitere möglichkeit wäre die physische deprivation: die verbannung des smartphones aus den intimsten lebensbereichen. die erschaffung von schutzräumen, in denen kein gerät geduldet wird. der technologie muss die permanente präsenz entzogen werden.
ein anderer ansatz wäre noch die emanzipation von der validierung durch das system selbst. die eigene erfahrung von synchronizität und infiltration wird hierbei als hinreichende realität akzeptiert. es bleibt der weg zurück zur analogen technik.
am ende bleibt wahrscheinlich nur, das menschliche in uns selbst neu zu entdecken – die persönliche rebellion, indem wir lernen chaotisch zu denken, den eigenen raum zu verteidigen und wieder mehr auf analoge technik zu setzen.